Wirtschaft und Wiedervereinigung  
     
 

Am 9. November 1989 öffnete sich – als Folge mutiger Proteste der DDR -Bevölkerung und natürlich auch der Veränderungen in der Sowjetunion und Polen – die Berliner Mauer. Zum ersten Mal nach 28 Jahren konnten die Bürgerinnen und Bürger der DDR wieder legal in den Westen reisen.
Nur elf Monate später wurde die deutsche Wiedervereinigung vollzogen.
Zwanzig Jahre später wissen wir, dass die ökonomischen Probleme der Wiedervereinigung allgemein ganz massiv unterschätzt und die ökonomischen Chancen der Wiedervereinigung ebenso massiv überschätzt wurden.
Besonders deutlich hatte sich der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl verschätzt, der den Ostdeutschen ‚blühende Landschaften’ ohne zusätzliche Kosten für die Westdeutschen versprochen hatte.
Es gibt keine exakten Zahlen über die Kosten der Wiedervereinigung. Am häufigsten wird die Zahl 1,6 Billionen *) Euro genannt – als Nettosumme der öffentlichen Transferzahlungen von West- nach Ostdeutschland.
Erfolg oder Misserfolg der wirtschaftlichen Wiedervereinigung werden bis heute unterschiedlich beurteilt.
Hier zwei Zitate:

 
     
 

„Die deutsche Wirtschaft ist international konkurrenzfähig, auch wenn sie Schwächen und laufenden Anpassungsbedarf hat. Sie hat die Wiedervereinigungslasten geschultert und steht heute günstiger da als Staaten, die derartige Herausforderungen nicht zu bewältigen hatten.“

Werner Plumpe: Auferstanden aus Ruinen – der Erfolg im Osten
In: Handelsblatt, 06.11.2009

„Die politische Vereinigung Deutschlands ist gelungen, die wirtschaftliche nicht. Zwanzig Jahre nach dem Mauerfall liegt das Bruttoinlandsprodukt je Einwohner in den Gebieten der ehemaligen DDR bei 69 Prozent des Niveaus der ehemaligen Bundesrepublik einschließlich Westberlins.“

Gerlinde und Hans-Werner Sinn: Der verpatzte Kaltstart
In: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 08.11.2009, Seite 36

*) Falls Sie der Meinung sind, dass 1,6 Billionen Euro doch gar nicht so viel sind, dann kommen Sie vielleicht aus den USA oder Großbritannien und wissen nicht, dass 1 kontinentaleuropäische Billion 1.000 angelsächsischen billions entspricht. Auf englisch würde man also sagen: 1.6 trillion Euro.

 
     
  Und hier eine vorläufige Analyse zum Thema:  
  Die Kosten der Einheit    
     
  Deutschland und die Deutschen Orientierung Deutschland  
  Wirtschaftsdeutsch Die deutsche Wirtschaft